Wissen · Quelle: gematik · 6 Min Lesezeit

Die Telematik­infrastruktur, ohne Behörden-Sprech.

Was die TI ist, welche Anwendungen daran hängen, der Unterschied zwischen klassischem Konnektor und neuem TI-Gateway — und was Sie als Heilmittel­erbringer wissen müssen, bevor 2027 die Pflicht greift.

I · Definition

Was ist die TI eigentlich?

Die Telematikinfrastruktur ist Deutschlands geschlossenes Gesundheitsnetz — eine eigene, verschlüsselte Schicht über dem normalen Internet, in die nur authentifizierte Teilnehmer reinkommen. Praxen, Apotheken, Krankenhäuser und Krankenkassen tauschen darüber Daten aus, die rechtssicher, signiert und nachverfolgbar sind.

Daran hängen die Anwendungen, die Sie kennen — E-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA), KIM, elektronische AU, TI-Messenger. Im Hintergrund läuft jede Kommunikation über zertifizierte Komponenten und nur, wenn die Identität des Senders verifiziert ist.

Geregelt wird das Ganze durch die gematik GmbH — die nationale Agentur für Digitale Medizin. Sie definiert technische Spezifikationen, zertifiziert Komponenten und legt Stichtage fest. Rechtsgrundlage: SGB V §§ 291–334.

II · Anwendungen

Acht Anwendungen, die täglich über die TI laufen.

Konkrete Beispiele aus dem Praxisalltag — was die TI tatsächlich bringt, jenseits der gesetzlichen Pflicht.

E-Rezept
Verordnung

E-Rezept

Verordnungen werden digital ausgestellt, signiert und verschlüsselt an die Apotheke übertragen. Für Heilmittel: elektronische Heilmittel-Verordnung (eHMV) löst das rosa Papier ab.

ePA
Patientenakte

Elektronische Patientenakte

Therapieberichte, Befunde und Verläufe liegen lebenslang an einem Ort — patientengeführt. Sie können vorhandene Befunde lesen statt sie per Fax bei der Hausärztin anzufordern.

KIM
Kommunikation

KIM — Kommunikation im Medizinwesen

Verschlüsselter E-Mail-Dienst mit gerichtsfester Signatur. Therapieberichte an Hausärzt:innen, Rückfragen zur Verordnung, Reha-Anträge — direkt aus der Praxissoftware, ohne Fax.

eAU
Bescheinigung

Elektronische AU

Krankschreibungen werden digital direkt an die Krankenkasse übermittelt. Patient:innen brauchen kein gelbes Papier mehr — und Sie sehen, ob jemand tatsächlich krankgemeldet ist.

TI-Messenger
Chat

TI-Messenger

WhatsApp-artige Sofort­kommunikation, aber DSGVO-konform und in der TI verankert. Schnelle Rücksprachen zur Therapieführung mit Ärzt:innen, ohne Telefonketten.

Notfall
Notfalldaten

Notfalldatensatz (NFDM)

Diagnosen, Allergien, Dauer­medikation auf der eGK. Im Akutfall — Sturz auf der Liege, Kreislauf­zwischenfall — sieht das Rettungsteam sofort, was es wissen muss.

DiGA
Digitale Anwendung

DiGA — Digitale Gesundheits­anwendungen

Apps auf Rezept (Rückenschule, Tinnitus-Therapie, Reha-Begleitung). Über die TI werden Verordnung und Aktivierung direkt mit dem Patienten gekoppelt — kein Papierkrieg.

DEMIS
Meldewesen

DEMIS & GesundheitsID

Meldepflichtige Erkrankungen (DEMIS) und die GesundheitsID als zentrales Login für alle Patientenanwendungen — beides läuft sicher über die TI, statt über Papierformulare.

III · Vergleich

Konnektor (alt) vs. TI-Gateway (neu).

Bis 2023 brauchte jede Praxis eine Hardware-Box. Heute übernimmt das ein zertifiziertes Rechenzentrum — und Sie haben einen Wartungsvertrag weniger.

Konnektor

Klassisch · TI 1.0

Hardware-Router in der Praxis, separater VPN-Vertrag, lokale Wartung.

  • Physische Box im Praxisnetz — eigene Stromversorgung, eigener Switchport
  • Separater VPN-Zugangsdienst — eigener Vertrag, eigene Rechnung
  • Vor-Ort-Wartung bei Firmware-Updates und Zertifikats­wechsel
  • Anschaffung & Austausch alle 5 Jahre — Hardware-Lebenszyklus
  • Bei Ausfall: Praxis offline bis Techniker da ist

TI-Gateway

Neu · TI 2.0

VPN-basierte Anbindung über zertifiziertes Rechenzentrum — keine Hardware in der Praxis nötig.

  • Keine physische Box mehr — Anbindung läuft über den Internet­anschluss
  • VPN ist im Service integriert — ein Vertrag, eine Abrechnung
  • Wartung & Updates erfolgen zentral beim Provider — null Aufwand für Sie
  • Skalierbar & standortunabhängig — Home-Office, Hausbesuch, Filiale
  • Hochverfügbar mit Provider-SLA — Ausfälle werden im Hintergrund umgeleitet

Faro empfiehlt für Heilmittel-Praxen das TI-Gateway: kein Hardware-Asset, kein Zweit-Vertrag, kein Wartungs­techniker. Im Mandat ist die Auswahl & Anbindung enthalten. Pakete & Preise

IV · Drei Schlüssel

Was Sie in der Praxis konkret brauchen.

Zwei Karten + ein Zugang. Mehr ist es im Kern nicht — alles vom GKV-Spitzenverband refinanziert.

01 eHBA
Elektronischer Heilberufsausweis
Ihre persönliche Smartcard als Therapeut:in. Bindet eine konkrete Person an Aktionen im TI-Netz — Sie signieren Dokumente, autorisieren E-Rezepte und identifizieren sich gegenüber anderen Heilberufen. Pro Therapeut:in einzeln · 5 Jahre gültig · ≈ 380–480 €.
02 SMC-B
Security Module Card Typ B
Die Karte für Ihre Praxis als Institution — analog zum Praxisschild, nur digital. Ohne SMC-B kommt keine Anbindung zustande, ganz egal wie viele eHBAs Sie haben. Pro Praxis (= pro IK-Nummer) eine Karte · 5 Jahre gültig · ≈ 380–470 €.
03 Zugang
Konnektor oder TI-Gateway
Verschlüsselt sämtliche Kommunikation und prüft Zertifikate. Klassisch: Hardware-Box. Empfohlen: TI-Gateway (Cloud) — kein Asset, kein Zweit-Vertrag. ≈ 25–60 €/Monat · durch Betriebs­pauschale gedeckt.

Plus optional: Karten­lesegerät und Praxis­verwaltungs­system mit TI-Schnittstelle — bei den meisten Heilmittel-Praxen bereits vorhanden oder vom Gateway-Anbieter mitgeliefert. Pakete & Preise

V · Pflicht-Stichtage

Wer muss wann an die TI?

Die Anbindungs­pflicht greift gestaffelt nach Berufsgruppe. Heilmittel­erbringer sind ab dem 01.10.2027 dran.

2019

Ärzte & Zahnärzte

Verpflichtender Anschluss seit 01.07.2019. Vertragsärztliche Versorgung, Versicherten­stamm­datenmanagement (VSDM) als Erstanwendung.

Pflicht aktiv
2020

Apotheken

Pflicht-Anschluss zum 30.09.2020. Vorbereitung für E-Rezept-Roll-out, heute über 95 % angeschlossen.

Pflicht aktiv
2022

Krankenhäuser

Anschluss­pflicht für Akutkliniken seit 01.01.2022 — KIM, ePA-Befüllung, Notfalldaten­management.

Pflicht aktiv
2025

Pflegeeinrichtungen

Stationäre und ambulante Pflege ab 01.07.2025 verpflichtend. Sanitätshäuser folgen zum 01.01.2026.

Pflicht aktiv
01.10.
2027

Heilmittel- & Hilfsmittel­erbringer ← Sie

Physio · Ergo · Logo · Podo · Ernährungs­therapie · Hilfsmittel. Bis dahin alle drei Komponenten plus aktiver Förderantrag — sonst Ausschluss aus dem Abrechnungs­verkehr.

Ihre Frist
freiwillig

Hebammen, ÖGD, Reha & weitere

Hebammen, Öffentlicher Gesundheits­dienst, Vorsorge / Reha, Dental­labore, Betriebs­ärzte — alle bereits anschluss­berechtigt, ohne Pflichttermin.

Freiwillig
VI · Förderung

Warum die GKV das bezahlt.

Kurz: weil sie spart. Mittelfristig sehr viel — durch günstigere E-Rezepte, weniger Mehrfach­diagnostik, ePA-Daten statt Faxe.

Mechanik der Pauschale

Die TI-Pauschale ist im § 376 SGB V geregelt. Praxen erhalten monatliche Pauschalen vom GKV-Spitzenverband, die alle anfallenden Kosten — Karten, Zugang, Wartung, Personal-Aufwand — abdecken sollen.

Die Pauschale ist antragspflichtig. Wer den Antrag nicht stellt, bekommt nichts — egal wie korrekt angeschlossen. Wer den Antrag fehlerhaft stellt, kämpft monatelang mit der Krankenkasse.

Der Antrag selbst ist nicht wahnsinnig kompliziert — aber er hat 12+ Pflichtfelder, drei Anlagen, eigene Fristen, und wird zentral beim GKV-Spitzenverband eingereicht. Bei Fehlern verzögert sich die Auszahlung um Wochen.

Beispielrechnung Heilmittel-Praxis

  • Initialisierungs-Pauschale: + 1.766,11 € einmalig
  • Monatspauschale: + 23,82 €/Monat über 5 Jahre
  • Realistische Kosten: ≈ 1.840 € (Karten + Zugang + Setup)
  • Überschuss über 5 Jahre: + 1.229,63 € netto

Quelle: TI-Finanzierungs­vereinbarung 2024 zwischen GKV-Spitzenverband und Heilmittel-Verbänden. Beträge je nach Praxis-Konstellation.

VII · Was bedeutet das für Sie?

Drei Tatsachen — und ein klarer nächster Schritt.

  • Sie müssen — bis 01.10.2027. Wer dann nicht angebunden ist, fliegt aus dem Abrechnungs­verkehr mit den Kassen.
  • Es kostet Sie nichts. Bei sauberer Beantragung deckt die GKV-Pauschale alle Kosten — bei strukturiertem Vorgehen bleibt sogar ein Überschuss übrig.
  • Der Antrag ist die Hürde. Nicht die Hardware, nicht die Karten — der Förderantrag mit den richtigen Anlagen, eingereicht zum richtigen Zeitpunkt, ist wo 80 % der Praxen scheitern.
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